Na immerhin - habe erst jetzt* durch Andreas Mertens von SLTalk.de entdeckt, dass Spiegel Online eine kleine Korrektur der sonst üblichen "Totsagungen" der deutschsprachigen Presse veröffentlicht hat. Etwas lieblos (das Foto ist mal wieder mit völlig veralteteten Avataren aus dem Jahre 2007, die es so gar nicht mehr gibt), aber ansonsten eine korrekt dargestellte Sachlage inkl. Erwähnung der virtuellen Spiegelwelten von Twinity und der mittlerweile über 400 virtuellen Welten für Kinder und Jugendliche.
Hier ein aktueller Überblick der Virtual Worlds für Kinder von 8-15 Jahren mit mindestens 1 Mio registrierter Nutzer (den SpOn natürlich nicht zeigte). Diese und weitere interessante Grafiken liefert regelmäßig die Agentur KZero.
Was will man mehr :)
*) was man alles verpasst, wenn man heiratet...
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Die erste Augmented Reality Anwendung für das iPhone heißt Metro Paris Subway 3.0 und hilft Reisenden dabei, mithilfe der Videokamera ihres iPhone 3GS schnell die nächste U-Bahn Station oder den leckersten Café au lait in Paris zu finden. Augmented Reality bedeutet übersetzt "erweiterte Realität" und bezeichnet eine Technologie, mithilfe derer man die reale Welt mit Informationen aus der digitalen Welt - vor allem aus dem Internet - anreichert und mixt. Video angucken, dann ist alles klar.
Damit schlagen die Franzosen die englische Firma acrossair, die mit Nearest Tube (Tube nennt man in London die U-Bahn) eigentlich die erste Mixed Reality Anwendung für's iPhone auf den Markt bringen wollten. Aber bis heute kann man Nearest Tube nicht im Apple App Store finden.
Metro Paris Subway ist jedoch nicht nur ab sofort verfügbar, sondern bietet auch eine intuitivere und nützlichere Oberfläche sowie viel mehr Informationen, mit denen man sich das reale Videobild live überlagern lassen kann. Z.B. Restaurants, Cafés, Sehenswürdigkeiten und vieles mehr.
Hier ein Video von Nearest Tube (Londoner U-Bahn Stationen):
Mithilfe von Augmented Reality kann man sich bald auch in London alle U-Bahn Linien mit Richtungspfeil praktisch live auf seinem iPhone 3GS anzeigen lassen.
Noch früher dran waren allerdings die Österreicher der Firma Mobilizy mit ihrem Wikitude AR Travel Guide für Android-Handys Anfang 2009. Wikitude überlagert die Umgebung, in der man sich gerade befindet, mit wertvollen Informationen aus Wikipedia und anderen Quellen und ist so eine Art mobiler Reiseführer, der immer weiß, wo man ist und welche Sehenswürdigkeiten sich hinter dem nächsten Hügel verstecken (was die Anwendung mit einem großen Pfeil direkt in der Landschaft anzeigt). Auch hier sagt ein Video mehr als 1000 Worte:
Die umfangreichste Augmented Reality Travel App bisher ist allerdings Layar 2.0 für Android Handys. Hier werden neben Wikipedia auch Yelp, Qype, Brightkite, Twitter und bald auch die Yellowpages mit der Realität vermischt und auf dem Android Phone live und in Echtzeit mithilfe bunter Icons angezeigt.
Die deutschen Medien gehen mit jungen Internet Trends ja immer skeptisch bis verächtlich, in den Himmel lobend oder bis zur Verdammung niederschreibend um. Beispiele dafür waren in den letzten zwei Jahren Second Life, StudiVZ, Facebook und Twitter. Nachdem Seitenzugriffe und Auflagenzahlen durch künstlichen Hype und sensationslüsterne Schlagzeilen hochgetrieben wurden und eine Weile etwas anderes beschrien wird, kommt dann spätestens nach 9 Monaten der Anti-Hype und das systematische "Bashing" - Second Life ist tot, Twitter ist nur für geltungsbedürftige Loser, Soziale Netzwerke infantilisieren unsere Gehirne.
Dehalb freue ich mich schon, wenn z.B. der Spiegel Online mal über virtuelle Welten schreibt, ohne die Worte Sex, Gewalt, Kinderpornos oder Tod in der Überschrift zu verwenden.
Der Artikel vom 13.6.2009 verspricht Erfreuliches: "Virtuelle Welten für die Kleinen im Test". Tatsächlich basiert der Spiegel-Artikel offenbar auf einem Test des GEE Magazins (Games) und erscheint unter der Rubrik "Spielzeug". Doch der Inhalt ist leider enttäuschend: Die Auswahl der getesteten "virtuellen Spielplätze" scheint willkürlich und enthält neben instabilen oder erfolglosenWelten wie Papermint und Smoodoos (weil pleite) keine Marktführer oder Vorreiter. Außer Habbo, jedoch unter altem Namen ("Habbo Hotel") und mit falschen bzw. nicht weiter nachvollziehbaren Zahlen.
Da man bei Spiegel.de immer noch nicht kommentieren darf, habe ich ein "Feedback" in Form eines Leserbriefes geschrieben, den ich hier mal wiedergebe, falls er (mal wieder) unerhört und ohne jedes Feedback im Nirwana verschwindet. Warum ich mir die Arbeit überhaupt mache? Unverbesserlicher Optimist. Vielleicht fragen die ja nächstes Mal jemanden wie mich, bevor sie wieder Halbgares veröffentlichen? Wär doch mal eine Idee :)
Und wer sich für dieses Thema interessiert, kommt hiermit vielleicht wenigstens doch noch ein paar wichtige Anlaufpunkte und Infos.
Liebe Spiegel Online Redaktion,
Es ist schön, dass Sie auch mal über die zahlreichen virtuellen Welten für Kids und Tweens berichten. Noch schöner wäre es gewesen, wenn Sie vorher sorgfältiger recherchieren und auch mal einen Experten befragen würden, damit Ihnen folgende Fehler nicht passieren: 1. Habbo Hotel heißt seit mehr als einem Jahr drei Jahren nur noch Habbo und hat nicht 5 Mio User sondern über 120 Mio registrierte Spieler weltweit und über 11,5 Mio Spieler monatlich (Stand 03/09). Siehe Sulake.com Wie Michael Lange alias Cyberwizard korrekt via Twitter anmerkte, spricht Habbo außerdem Teens an, nicht Kinder. Panfu.de wäre ebenfalls wichtiger in dem Segment unter 13 zu erwähnen gewesen. 2. Papermintist zwar ein sehr kreatives und beeindruckendes österreichisches Projekt, spielt im Markt jedoch leider überhaupt keine Rolle, da es von den registrierten Usern her viel weniger Bedeutung hat als z.B. Neopets (50 Mio), Club Penguin (22 Mio) oder StarDoll (26 Mio). Aus Deutschland wären noch sMeet und Freggers zu nennen, wobei diese eher das Segment 15-20 Jahre ansprechen. Außerdem ist Papermint leider unstabil und z.B. jetzt gerade mal wieder stundenlang offline (14.6. seit 10:00). Mal abgesehen davon, dass auch Papermint tatsächlich für Teens, nicht für Kinder gemacht ist. Bei KZero.co.uk (Universe/Radar) finden Sie einen umfassenden und regelmäßig aktualisierten Überblick über diesen dynamischen Markt (für alle Altergruppen; virtuelle Welten ab 1 Mio reg. User).
3. Äußerst interessant ist übrigens auch ElfIsland.com ("Gaming for Good") als Beispiel dafür, wie soziale virtuelle Spielwelten dafür genutzt werden, dass Kinder sich für Hilfsprojekte in der physischen Welt engagieren, indem sie gemeinsam in der virtuellen Welt Aufgaben lösen.
4. In einem Artikel über virtuelle Welten für Kinder vermisse ich aber vor allem die herausragenden Beispiele dafür, wie virtuelle 3D Welten spielerisch in der Schulbildung eingesetzt werden: Vorreiter und amerikanischer Marktführer Jumpstart.com (englisch) z.B. und das deutsche Derivat Scoyo.de (Bertelsmann) sind hier die relevanten Vertreter im Bereich Bildung. Hier meine Vorstellung und Test von Jumpstart von 2008
Sollten Sie weitere Artikel zum Thema soziale virtuelle Welten planen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
--- UPDATE 27.08.2009: FAZ konkurriert mit Spiegel und WAZ im "Qualitätsjournalismus" um den letzten Platz --- Spiegel hat sich bis heute nicht gemeldet, aber die FAZ Online, namentlich Patrick Bernau, hat heute nachgezogen im Bemühen um Platz eins der am schlechtesten recherchierten Artikel zum Thema virtuelle Welten.
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Ob Paradigmenwechsel, Zeitungssterben oder Echtzeit-Web: Die Welt verändert sich, und zwar schneller als je zuvor. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Meldung,
dass wieder eine Zeitschrift oder Zeitung eingestellt wurde und - wenn überhaupt - nur online weiter betrieben wird
dass das Internet generell und Google im besonderen die klassischen Medien ablösen wird
dass das Internet neben Computerspielen und virtuellen Welten Schuld an Bildungsverfall und Verrohung der Jugend ist (ersetze vorgenannte Begriffe gegen "Fernsehen") und dass Web 2.0 Dienste wie Facebook und Twitter "die Menschen infantilisieren und unsere Gehirne verformen"
dass eine Demokratisierung der Medien ansteht und manche Journalisten erbost oder gar in Angst und Schrecken versetzt: Jeder kann nun jederzeit über alles berichten und die ganze Welt liest mit - ermöglicht durch Blogs und Schnatterzirkel Facebook, SchülerVZ, Twitter, MySpace, Socialmedian, XING, Friendfeed und viele andere
Die Zeitungen sterben, da das Internet einen fast kostenlosen Distributionskanal vom Einzelnen an die Massen darstellt. Und immer mehr Menschen haben nichts dagegen, wenn andere ihre Fotos, Videos, Zeichentrickfilme oder Musik kopieren, verändern, ergänzen, mit anderem mixen und weiterverteilen. Das gab's so noch nicht und deshalb sind alle verunsichert.
Clay Shirky, Professor für Neue Medien an der New York University und Urgestein des Internets, sagt dazu:
"Die Verlage wollen von uns hören, dass die neuen Methoden, Informationen [via Internet] zu verbreiten nur die alte Praxis verbessern anstatt sie abzulösen. Sie wollen angelogen werden."
Er schreibt außerdem, dass
"die Menschen, die einfach nur aus dem Fenster schauen und beschreiben, was sie da sehen, momentan behandelt werden, als wären sie total durchgedreht".
Was wir Verrückten sehen? 500 Millionen*) Menschen, die z.B. bei Konzerten die Show live mitschneiden, fotografieren und via Twitter/Facebook/YouTube etc. in ihren sozialen Netzwerken verbreiten. Wer innerhalb der letzten Monate in einem Konzert war, kann dies bestätigen (siehe Foto oben, aufgenommen mit dem iPhone und während des Konzerts auf Facebook hoch geladen. Man beachte die sechs weiteren Handies, die gerade dasselbe tun. Das war eine deutsche Band namens Eisblume in Berlin).
32 Millionen total Durchgeknallte sind Twitter-User (knapp 100.000 davon sind aus Deutschland), die in Häppchen von 140 Zeichen zwitschern, was sie gerade tun, gesehen, gelesen oder erlebt haben. Das ist banal, hilfreich, Horizont erweiternd, informativ, albern, sozial, nervig, altrusitisch oder massiv "special interest" (Wein-Kenner, Katzenfreunde, Strick-Tipps, Star Trek Fans). Und: Über solche Dienste verbreiten sich Nachrichten über Augenzeugen innerhalb weniger Minuten, oft sind diese schneller als CNN, Bild oder oder ntv, manchmal sogar akkurater (manchmal auch Blödsinn - aber das passiert ja auch den Berufsjournalisten ständig - man beachte die Kommentare, die den schlecht recherchierten Artikel korrigieren).
MIT Professor Henry Jenkins (Comparative Media Studies) zeigt und erzählt im folgenden Video, wie die neuen Medien, Mobilität (Foto Handies, Internet unterwegs) und soziale Netzwerke das Mediennutzungsverhalten verändern, beschleunigen und demokratisieren.
Demokratisierung der Medien bedeutet nicht nur, dass Menschen miteinander Neues schaffen, vollkommen Fremden helfen oder sich mithilfe des Internets politisch organisieren - interkulturell und über Ländergrenzen hinweg - sondern auch, dass nicht nur eine Handvoll Nachrichtenagenturen und Redaktionen entscheiden, was wichtig ist, sondern wir selbst. Vielleicht ist das die wahre power to the people.
*) Zahlen: 300 Mio Nutzer bei Facebook, 123 Mio bei MySpace, 32 Mio bei Twitter, macht 455 Mio für die größten sozialen Netzwerke derzeit - zusammen mit den tausenden anderen (Wer kennt wen, StudiVZ, Xing und die aus dem Rest der Welt sind es mindestens 500 Mio, wahrscheinlich eher mehr) WEITERLESEN...